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Wölfe (Canis Lupus)

Konflikte und Lösungen

Wie mit vielen anderen Wildtieren gibt es ebenfalls in der Mensch-Wolf Beziehung  Konflikte. Wölfe sind in erster Linie Fleischfresser. Sie werden von den einen als Raubtier/-zeug und von den anderen als Beutegreifer bezeichnet. Hier möchten wir die verschiedenen Konflikte sowohl für Menschen als auch für die Wölfe auflisten und kurz und sachlich darstellen. In erster Linie sind es unsere Einstellung und Interessen die eine Situation als einen mehr oder weniger schweren Konflikt ansehen. Wir zu dieser Seite noch Bild- und Videomaterial bereitstellen und Links zu weiteren Quellen, Dokumenten und Projekten.

  • Wölfe und Menschen
  • Wölfe und Nutztiere
  • Wölfe und Haustiere
  • Wölfe und Wildtiere
  • Wölfe und geschützte Wildtierarten
  • Wölfe und die Jagd
  • Wölfe und Siedlungen
  • Wölfe und Straßen
  • Wölfe und Tourismus
  • Wölfe und Landschaftspflege/Naturschutz
  • Wölfe und Geschichten, Legenden, Märchen und Filme
  • Rechtlicher Status und Konsequenzen
  • Anmerkung

Wölfe und Menschen

Die möglichen Konfliktbereiche sind zum Teil sehr komplex. Die Konflikte auf der menschlichen Seite können im wesentlichen in zwei Kategorien eingeteilt werden. Es ist das direkte Gefahrenpotenzial für Menschen. Sowohl die tatsächliche Gefahr (die eher sehr klein ist), als auch ich die imaginäre Gefahr (die eher relativ groß erscheint). Die zweite Kategorie sind die Konflikte auf der sozial-ökonomischer Ebene und emotionaler Ebene. Auf der Seite der Wölfe gibt es ein erhebliche Gefahrenpotenzial auf der existenziellen Ebene und die durch die Einschränkungen im Nutzungsgrad des Lebensraumes durch die vielfältigen Aktivitäten und Infrastrukturen von uns Menschen. Dazu gehört auch das “eigentlich verbotene Nahrungsangebot wie Nutz- und Haustiere”.

Lösungsansatz: das Unfallrisiko für Menschen ist sehr gering.  Bildungsarbeit, genaue Analyse von Unfällen um die Faktoren zu kennen um so das Risiko noch weiter zu verringern. Die Bildungsarbeit und Gewöhnungszeit hilft die Ängste abzubauen und die emotional empfundene Gefahr durch Wölfe im Laufe der Zeit abzubauen. Wirtschaftliche Verlust durch den Wolf (z.B. in der Schäferei) müssen in der Regel von der Gesellschaft getragen werden. Die Akzeptanz für ein Miteinander mit Wölfen muss über Bildungsarbeit, Sensibilisierung der ethischen Verantwortung allem Leben gegenüber, einer Veränderung der Wertigkeit von Wildtieren, und dem möglichen Eingriff in Sondersituationen erhöht werden. 

Wölfe und Nutztiere

Wölfe töten und fressen Nutztiere. Je schlechter die Tiere geschützt werden, oder eigene Schutzstrategien haben um so größer ist der Konflikt. Es können einzelne Tiere oder gleich mehrere Tiere getötet oder verletzt werden. Es besteht die Gefahr, dass Nutztiere ausbrechen und es zu sekundäre Schäden kommen könnte z.B. im Straßenverkehr. Der direkte wirtschaftliche Schaden durch getötete oder verletzte Nutztiere bleibt in einem überschaubaren Rahmen, doch die Mehrarbeit und höhere Betriebskosten sind ein weitere Aspekt. Hinzu kann eine emotionale Belastung kommen.    

Lösungsansatz: Es muss den Wölfen so schwer wie möglich gemacht werden an die Nutztiere heranzukommen. In erster Linie betroffen sind Schafe und Ziegen. Auch größere und insbesondere Jungtiere können betroffen sein. Es gibt verschiedene Alternativen. Grundsätzlich ist eine Kombination von Schutzmaßnahmen besser als eine Einzelmaßnahme.

  • Holzzaun: Ein Holzzaun muss einen Untergrabschutz haben und relativ hoch sein um ein Überspringen zu verhindern. Ein solcher Zaun sollte mit Elektrodrähten gesichert werden. Ein solcher Zaun eignet sich nicht gut. Eher als zusätzliche Maßnahme zum Einpferchen einer Herde.
  • Maschendrahtzaun: Oft eingesetzt bei Wildgatter als feste Installation. Der Zaun muss stabil sein, benötigt einen Untergrabschutz und sollte mindestens 2m hoch sein. Man kann ihn auch mit zusätzlichen Elektrodrähten sichern. Bestehende Zäune müssen verbessert werden. Neue Zaunanlagen, sollten gleich richtig mit „Wolfsschutz“ aufgebaut werden.
  • Elektrozaun: Es gibt verschiedene Modell und Ausführungen. Als mobile Zaun muss er leicht und schnell installierbar sein. Die Erfahrungen zeigen dass je nach Topografie der Zaun zwischen 115-150 hoch sein sollte. Theoretisch kann ein Wolf diese Höhe überspringen. Er macht es aber nicht gerne und versucht eher unten durchzukriechen. Außerdem prüft er diese Zäune bei den ersten Kontakten meistens mit seiner Nase. Nach dem Elektroschock und den schmerzvollen Erfahrung ist im das Risiko über den Zaun zu springen in der Regel zu groß. Ein Wolf spürt und hört die Stromspannung am Zaun. Deshalb ist es wichtig, dass diese Zäune gut geerdet sind und permanent funktionieren, insbesondere in der Nacht, in der Dämmerung und bei sehr schlechten Sichtbedingungen. Welche Mindesthöhe tatsächlich ausreichen würde ist noch nicht ausreichend untersucht worden. Es gibt Maschendrahtzäune, oder Litzenzäune und Elektrobänder. Bei den Maschendrahtzäunen besteht sowohl für die Nutztiere als auch für Wildtiere eine erhöhte Gefahr, weil sie sich in dem Zaun verfangen können und zu Tode kommen. Bei den beiden anderen Zaunmodellen ist darauf zu achten, dass die Abstände zwischen den Drähten (Bändern) über die Höhe gleichmäßig mit 20-30cm Abstand verteilt sind. Der unterste Draht sollte möglichst dicht am Boden sein und sollte die Bodenvegetation nicht berühren, weil der Stromschlag dort ansonsten in den Boden abgeleitet wird. Bei schon bestehenden Elektrozäune die nur die üblichen 90-115cm Höhe haben kann dieser relativ leicht mit einem bunten Flatterband (Baustellenabgrenzungsband) erhöht werden. Das scheint nach allen Erfahrungen aus Sachsen sehr gut zu wirken. Welcher Elektrozaun langfristig am effektivsten eingesetzt werden kann ist bisher nicht ausreichend untersucht worden.
  • Lappenzaun: Ein Lappenzaun ist ein altes System. Dieser Zaun kann kurzfristig schützen und helfen, weil sich die meisten Wölfe nicht trauen durch diesen Lappenzaun zu gehen. Es ist keine dauerhafte Lösung, weil ein gewisser Gewöhnungseffekt wahrscheinlich ist. Ein solcher Lappenzaun besteht aus einer Leine mit daran hängenden bunten Lappen in regelmäßigen Abständen. Wichtig ist, dass dieser Lappenzaun frei sichtbar sein muss und die Lappen daran sich frei im Wind bewegen können. Er sollte etwa auf 100-120cm Höhe aufgespannt sein und die Lappen sollten etwa bis auf etwa 30cm über den Boden herunterhängen. Ein Lappenzaun kann gut als Ersthilfe eingesetzt werden oder als äußerer Ring um einen bestehenden Zaun.
  • Herdenschutzhunde: In allen Gebieten wo es Wölfe und Schaf/Ziegenherden gibt, gibt es auch traditionell Herdenschutzhunde. Eigentlich sind es Hirtenhunde, die alles, den Hof, das Camp, die Tiere und die Schäfer beschützen. Der Aufwand mit Hunden eine Schafherde zu schützen ist mit deutlich mehr Arbeit und Kosten verbunden. Dafür können Hunde sehr effektiv sein, wenn sie richtig erzogen und gehalten werden. Mit Hunden ist man zusätzlich sehr viel mobiler unterwegs, auch im schweren Gelände. Es kann zu Konflikten mit Passanten, mit anderen Hunden, oder mit anderen Wildtieren kommen. Das ist abhängig davon wie gut die Hunde auf ihre Arbeit vorbereitet worden sind und wie gut die Halter mit diesen Hunden umgehen. Diese Hunde sind sogar in der Lage relativ selbstständig ohne dauerhafte Anwesenheit des Schäfers eine Schafherde bewachen. Abgesehen von der richtigen Erziehung, Versorgung und Pflege ist auch die Anzahl der Hunde und deren Teamfähigkeit wichtig. Zwei Hunde reichen um einen einzelnen Wolf auf Abstand zu halten. Sie reichen aber nicht um eine größere Herde ausreichend zu beschützen. Die Anzahl der mindestens benötigten Hunde ist von der Anzahl der Schafe, dem Gelände, und dem Beweidungssystem abhängig. Die Wölfe testen die Hunde und lernen dabei welche Hunde man austricksen kann oder welche Hunde nicht gut arbeiten, und mit welchen Hunden man sich lieber nicht anlegen sollte. Wölfe gehen kein unnötiges Risiko ein.
  • Stallungen: Stallungen bieten grundsätzlich den besten Schutz, aber gleichzeitig auch die schlechtesten Rahmenbedingungen für Schafe oder Ziegen. Trotzdem sollte man in der Nacht Nutztiere in den Stall nehmen, wenn keine ausreichend anderen Sicherungen zu Verfügung stehen.
  • Behirtung: dauerhaft anwesende Hirten sind ebenso sehr gut geeignete Alternativen um eine Nutztierherde zu schützen, insbesondere wenn dazu noch Hüte- und Hirtenhunde dem Hirten bei seiner Arbeit helfen. Auf diese Weise können auch die Konflikte mit den Hunden und die Landschaftspflegemaßnahmen sehr viel besser geregelt werden. Außerdem werden Verluste durch andere Gründe weitestgehend ausgeschlossen. Allerdings ist eine solche Behirtung teuer und arbeitsintensiv.
  • Das Beweidungssystem selbst: Wenn in einer Region die Wölfe wieder auftauchen, dann muss das bisherige Beweidungssystem überprüft und entsprechend angepasst werden. Alte, seit etwa 120Jahren, verloren gegangene Traditionen müssen wieder ausgegraben und modifiziert werden. Kleinste Schaf/Ziegengruppen sind nur noch dort möglich wo man gut mit Elektrozäune und Stallungen arbeiten kann. In Gebirgsregionen auf den Almen, werden aus vielen frei herumlaufenden Schafgrüppchen wieder wenige große bewachte und geführte Herden zusammengestellt werden müssen. Ganze Almen oder gar Berge mit Elektrozäune abzusichern ist unsinnig und auch nicht praktikabel. Dazu wird es notwendig sein, dass die einzelnen Schafbesitzer ihre Schafe wieder in eine große Herde zusammenführen und professionelle Hirten die Schafherde in der Sömmerungsperiode betreuen. So können die notwendigen Landschaftspflegemaßnahmen deutlich besser und präziser als bisher umgesetzt werden.
  • Versicherungsleistung und Kompensationen: Die gesamten Schutzbemühungen kosten Geld und sollten von der Gesellschaft und nicht alleine von den Landwirten finanziert werden. Verluste durch Wölfe trotz umgesetzter Schutzmaßnahmen sollten ausgeglichen werden, inklusive der dadurch anfallenden Mehrarbeit. Die Versicherungsleistungen z.B. bei einem Ausbruch einer Schafherde müssen überarbeitet und angepasst werden. Insbesondere über die Naturschutzorganisationen sollte auch praktische Hilfe zur Arbeitserleichterung und zur Sicherstellung eines permanenten sozialen Kontakts angeboten werden.

Wölfe und Haustiere

Wölfe können ebenfalls für Haustiere gefährlich sein.  Allerdings können Haustiere auch eine Gefahr für Wölfe darstellen. Als Beispiel nenne ich die Hybridisation (Paarung zwischen Wolf und Hund), oder die Herdenschutzhunde die in der Lage sind Wölfe zu töten.

Lösungsansatz: Leinenpflicht für Hunde in Wolfsregionen, zur Hybridisierung kommt es insbesondere dort wo Hunde herumstreunen und wenig Wölfe in der Paarungszeit vorhanden sind. Die Zäune der Koppeln für Pferde, Ponys und Esel müssen angepasst werden. Stallhaltung von Fohlen in der Nacht ist empfehlenswert. Eine Pferdegruppe ist zwar wehrhaft, kann aber auch ausbrechen und fliehen. Es wird vermutlich nur selten vorkommen, dass Wölfe Pferde erfolgreich angreifen. Dafür halten wir das Konfliktpotenzial auf emotionaler Seite für deutlich größer als bei Nutztieren.

Wölfe und Wildtiere

Wölfe töten und fressen Wildtiere. Es gibt nicht einheimische Wildtierarten die keine Schutzstrategien haben, oder einsetzen können. Diese könnten durch die Wölfe komplett ausgelöscht werden (Beispiel: Muffelwild).

Lösungsansatz: Wildtiere sind frei und niemand hat einen Besitzanspruch. Man wird akzeptieren müssen, dass nicht einheimische Wildtiere, ohne entsprechenden Schutzstrategien kaum eine Chance haben werden. Wölfe und deren Beutetiere haben schon immer miteinander gelebt. In erster Linie sorgen Wölfe dafür, dass der Wildtierbestand nicht überaltert, sie filtern schwache und kranke Tiere heraus und sorgen so für einen gesünderen Wildtierbestand. Epidemien wie die Schweinepest können sich nur schwer in der Fläche ausbreiten. Allerdings fehlen hierzu weiterreichende Untersuchungen. In erster Linie kommt es zu Konflikten mit den Interessen der Jäger (siehe unten).

Wölfe und geschützte Wildtierarten

Der Wolf kann die Artenschutzbemühungen zu einer anderen Wildtierart erschweren. Es kann folglich zu einem internen Konflikt innerhalb der Arten- und Naturschutzarbeit kommen.

  • Insbesondere kann dieser Konflikt bei seltenen großen bodenbrütenden Vögeln wie Großtrappen entstehen. Normalerweise sind diese Wildtierarten keine spezifischen Beutetiere für den Wolf. Trotzdem zählt hier oft jedes Einzeltier. Wenn bedrohte Wildtierarten wieder angesiedelt werden sollen, oder Restbestände geschützt werden sollen, müssen diese Wildtiere die natürlichen Schutzstrategien gegen Wölfe auch umsetzen können. Diese Faktoren müssen bei der Habitatauswahl und -gestaltung ebenfalls berücksichtigt werden. Bei den Berechnungen der Mortalitätsfaktoren muss der Faktor Wolf einbezogen werden. Anhand dieser Berechnungen versucht man festzustellen, wie viele Tiere es benötigt um in einer bestimmten Zeitperiode eine stabile Population aufbauen zu können.

Wölfe und die Jagd

Wölfe ernähren sich insbesondere von den Wildtieren die auch für die Jagd von besonderer Bedeutung sind. Dadurch kann eine Konkurrenzsituation entstehen. Die Wildtiermanagementaufgaben der Jagd können erschwert werden. Finanzwirtschaftliche Faktoren können sich ändern. Räumliche Verlagerungen der großen Pflanzenfresser als Anpassungsstrategie können für einzelne Jagdreviere bzw. Jäger nachteilig sein. Auf der anderen Seite kann der Jäger zu den größten existenziellen Gefahren für Wölfe gehören. Ein genetischer Austausch kann erschwert oder verhindert werden. Ein Wolfsrudel kann zerstört werden, wodurch wiederum weitere Konflikte entstehen können. Die Ausbildung und Fortbildung der Jäger in Bezug auf die Wölfe ist unzureichend. 

Lösungsansatz: Informations- und Bildungsarbeit bei der Jagdausbildung, Prüfung und in Form von Fortbildungen. Abschussquoten zur Schadensregulierung durch Schalenwild in der Forst- und Landwirtschaft muss angepasst werden. Fütterungsstellen für Pflanzenfresser müssen angepasst, verlegt, oder aufgelöst werden. Die wirtschaftlichen Interessen in der Jagd müssen neu überdacht und angepasst werden. Unter Umständen muss auch die Jagdstrategie angepasst werden. Jäger übernehmen schon heute wichtige Monitoringsaufgaben und sind oft in Feld und Flur unterwegs. Die Jäger sollten eine zwingende Fortbildungsmöglichkeit bekommen und in die Monitoringsaufgaben stärker eingebunden werden. Ebenso muss in der Ausbildung der Jäger der Wolf, seine ökologische Rolle, seine Verhaltensweisen und Anpassungsfähigkeiten an Kulturlandschaften sehr viel kompetenter als bisher eingebunden werden. Das gilt auch für den Luchs.

  • Anzahl der Wölfe: Insbesondere von Jägern wird oft gefordert, dass die Wölfe sich unkontrolliert vermehren, ausbreiten und es dann zu einer Überpopulation kommen wird. Zum einen sind wir es seit langer Zeit gewohnt, dass wir Wildtiere nach unseren Vorstellungen kontrollieren. Hier stellt sich die Frage, ob diese Kontrolle bei sehr stark territorial lebenden Wildtierarten überhaupt notwendig ist. Dazu würden dann zunächst die Parameter definiert werden müssen anhand derer man bestimmen kann wann es zu viele oder zu wenige Wölfe gibt. Wenn man zu dem Schluss kommen sollte, dass wir Menschen eingreifen und kontrollieren müssen, muss zunächst untersucht werden, mit welchen Maßnahmen denn eine „Regulierung“ erfolgen kann. Die Entnahme oder Tötung löst meistens keine Ursachen für Konflikte, sondern schafft nur eine kurzfristige Veränderung. Deswegen müssten dann erst Alternativen gesucht werden, die eine nachhaltigere Lösung ermöglichen können. 

Wölfe und Siedlungen

Wölfe integrieren üblicherweise Siedlungen in ihr Revier. Siedlungen und Siedlungsrandbereiche werden üblicherweise auf unterschiedliche Weise von Wölfen genutzt. Das führt wiederum zum Konflikt, weil es sich im Prinzip um eine unerwünschte Verhaltensweise handelt, die dem Sicherheitsgefühl der Menschen entgegenstehen.

Lösungsansatz: Auch hier steht an erster Stelle die Bildungsarbeit. Es ist nichts ungewöhnliches wenn Wölfe Siedlungsbereiche passieren oder durchqueren. Es gibt verschiedene Motivationen warum Wölfe Siedlungsbereiche aufsuchen. Das Nahrungsspektrum für Wölfe im Siedlungsbereich muss reduziert werden. Dazu zählt in erster Linie das nicht natürliche Nahrungsangebot wie Müll, Schlachtabfälle, Nutz- und Haustiere. Die können leicht vollständig der Nutzung durch Wölfe entzogen werden. In zweiter Linie zählen dazu die Wildtiere als natürliche Nahrungsquelle. Hier muss untersucht werden ob es notwendig ist, die Verteilung des Nahrungsspektrums für die typischen Beutetiere des Wolfs zu ändern und im Siedlungsbereich zu verringern. Topografische Faktoren können wir nicht ändern. Auf die Neugier der Wölfe haben wir ebenfalls keinen Einfluss. Gestalterische Elemente können aber helfen Wölfe bei ihren Streifzügen durch ihr Revier um Siedlungen besser herumzuleiten. Auch die Wölfe haben ein hohes Sicherheitsbedürfnis und versuchen für sie kritische Situationen zu vermeiden.

Wölfe und Straßen

Wölfe müssen Straßen überqueren. Das ist in erster Linie für die Wölfe gefährlich. Je nach Straßenart kommen Wölfe unterschiedlich gut damit zurecht. Insbesondere Autobahnen können eine Barriere darstellen. Auf der anderen Seite besteht bei einem Unfall auch die Gefahr eines erheblichen finanziellen Schadens mit Verletzungen oder gar tödlichem Ausgang für Menschen. Diese Infrastrukturen erschweren auch den genetischen Austausch zwischen weiter entfernten Wolfsgebieten.

Lösungsansatz: Straßen und andere Transportwege sind immer für alle Wildtiere problematisch. Eine gute Mischung von Wildtierüberquerungshilfen und Leitsysteme kann das Risiko sowohl für das Wildtier als auch für den Autofahrer reduzieren.

 Wölfe und Tourismus

Wölfe leben in touristisch erschlossenen Natur- und Kulturlandschaften. In den Regionen die von den Wölfen neun besiedelt werden, kann es erhebliche Vorbehalte und damit zu einem Konflikt kommen. Touristisch erschlossene Lebensräume können auch für Wölfe problematisch sein, durch die konzentrierte und ungewöhnlich vielfältige Nutzung durch Menschen. 

Lösungsansatz: Vorbehalte und Ängste können durch Bildungs- und Informationsarbeit minimiert werden. Hier zählen auch die Erfahrungen aus anderen intensiv erschlossenen touristischen Regionen in Europa mit stabiler Wolfspopulation. Touristische Infrastrukturen und Aktivitäten können als sehr nachteilig für alle Wildtiere gelten. In der Regel sind die Auswirkungen aber lokal beschränkt. Trotzdem sollten auch beim Wolf entsprechende Spielregeln gelten um den Tieren Ausweichmöglichkeiten zu bieten. Eine Besucherlenkung ist notwendig, ebenso wie entsprechende Informationen. Fütterungen müssen vermieden werden. Wildtiere sind keine Schauobjekte. Auf der anderen Seite können Wölfe zur Bereicherung der Naturlandschaft beitragen und so die Wertigkeit einer Region erhöhen.

Wölfe und Landschaftspflege/Naturschutz

Schafe oder andere Weidetiere werden nicht selten zur Naturschutzpflege eingesetzt. Es soll damit eine hohe Artenvielfalt erhalten bleiben. Oft handelt es sich um FFH Gebiete die auch rechtlich geschützt sind. Solche Gebiete gibt es nicht selten in steileren Gebirgslandschaften, in denen ein Schutz der Weidetiere deutlich schwerer ist als im Flachland. Hier kann es zu einem naturschutzfachlichen Konflikt kommen. 

Lösungsansatz: Prüfung welche Alternativen zur Schafbeweidung es gibt. Eventuell können Wildtiere eine ähnliche Rolle übernehmen. Das Beweidungssystem muss angepasst werden, die Schafe müssen einen dauerhaften Schutz erhalten. Prüfung ob die derzeitige Pflegearbeit durch die Schafe überhaupt den gewünschten Effekt hat. Das gilt insbesondere dort, wo die Schafe sich unkontrolliert und frei bewegen können. Prüfung der tatsächlich rechtlichen Situation.

Wölfe und Geschichten, Legenden, Märchen und Filme

Insbesondere in den bekannten Märchen und in Filmproduktionen erhalten Wölfe ein gefährliches, wildes und todbringendes Image. In vielen ganz alten Geschichten und Legenden sieht es für den Wolf oftmals besser aus. Ebenso sind eigentlich nur die Wolfsmärchen bekannt mit dem “Bösen Wolf”. Und das obwohl in den ursprünglichen Erzählungen der Wolf werde bei “Rotkäppchen” noch bei “Der Wolf und die Sieben Geißlein” diese Rolle inne hatte. Dieses negativ Image in den Märchen hat sicherlich zum allgemeinen negativ Image beigetragen. Daraus ergibt sich ein Konflikt für den Wolf und dessen Akzeptanz.

Lösungsansatz: Informations- und Bildungsarbeit um die Märchen und Geschichten zu relativieren. Oft ist schon die historische Aufarbeitung des Märchens selbst, der Legenden und des Aberglaubens ein gutes Hilfsmittel dazu.

Rechtlicher Status und die Konsequenzen

In Europa sind Wölfe fast überall streng geschützt. Dieser hohe Schutzstatus ist ebenfalls eine Quelle für Konflikte. Nicht nur weil Wölfe einen so hohen Schutzstatus haben, der nicht von allen Menschen als notwendig angesehen wird. Es gibt auch Konflikte derart, dass Störungen der streng geschützten Wildtierart verboten sind und befürchtet wird, dass die Nutzung z. B. von Privatwäldern zu bestimmten Zeiten eingeschränkt werden könnten. Wer einen Wolf illegal tötet riskiert bis zu 5 Jahren Gefängnisstrafe und/oder eine sehr heftige Geldstrafe.

Lösungsansatz: Informationsarbeit, sowohl auf Länderebene als auf EU Ebene muss definiert werden wann beim Wolf eine tatsächlich nachhaltige Störung vorhanden ist und wann nicht. Ein so großräumig und anpassungsfähiges Wildtier wie der Wolf ist ganz anders zu bewerten als ein sehr kleinräumig agierendes, spezialisiertes und störanfälliges geschütztes Wildtier. Hier muss eine klare verbindliche Rechtssicherheit hergestellt werden.

Anmerkung:Natürlich ist es für ein Tier ein Konflikt, wenn es von einem Wolf getötet und gefressen wird. Doch das sind natürliche Prozesse, die hier nicht von uns diskutiert werden, egal wie es optisch oder emotional betrachtet aussehen mag. Tierschutz bezieht sich auf den Schutz der Tiere vor uns Menschen, nicht auf die Interaktionen zwischen verschiedenen Tierarten. 

Wir bitten jeden Leser daran mitzuarbeiten uns Fehler oder fehlende Informationen mitzuteilen. Nur so wird es uns gelingen diese Seite sachlich, umfassend und kompetent zu gestalten. 

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