{"id":1465,"date":"2019-09-09T12:47:33","date_gmt":"2019-09-09T11:47:33","guid":{"rendered":"http:\/\/wordpress.human-wildlife.info\/?page_id=1465"},"modified":"2019-09-09T13:35:55","modified_gmt":"2019-09-09T12:35:55","slug":"luchse","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/wordpress.human-wildlife.info\/?page_id=1465","title":{"rendered":"Luchse (Lynx lynx)"},"content":{"rendered":"\n<h4 style=\"text-align:left\">Einleitung:<\/h4>\n\n\n\n<p>So wie W\u00f6lfe und Braunb\u00e4ren wurden auch die Luchse in vielen\nRegionen von Europa bis hin zur gro\u00dffl\u00e4chigen Ausrottung verfolgt. B\u00e4ren und\nW\u00f6lfe kann man durchaus als Generalisten bezeichnen. Im Vergleich dazu ist der\nLuchs eher ein Spezialist. Das Spektrum der Nahrungsquellen ist kleiner und die\nAnspr\u00fcche an die Lebensr\u00e4ume ist gr\u00f6\u00dfer. Neben der Verfolgung durch uns\nMenschen stellt die Zerst\u00f6rung der Lebensr\u00e4ume und die Reduzierung der nat\u00fcrlichen\nNahrungsquellen f\u00fcr den Luchs eine gr\u00f6\u00dfere Bedrohung dar, als f\u00fcr Wolf und B\u00e4r.\n<\/p>\n\n\n\n<p>Das Konfliktpotential f\u00fcr Menschen durch Luchse kann man auf\nkeinen Fall als besonders hoch einstufen. Umgekehrt allerdings schon. In den\nM\u00e4rchen, Legenden und Geschichten spielt der Luchs praktisch keine Rolle. <\/p>\n\n\n\n<p>Luchse sind auch nicht besonders scheu, eher heimlich. Sie kommen aber so selten vor und auch stabile Populationen sind so d\u00fcnn verteilt, dass eine Begegnung mit Luchsen selten ist. <\/p>\n\n\n\n<h4>Steckbrief\/Biologie<\/h4>\n\n\n\n<ul><li>Weibchen: Katze oder Luchsin<\/li><li>M\u00e4nnchen: Kater oder Kuder<\/li><li>Gewicht: 18-25kg, Kater zum Teil \u00fcber 30 kg<\/li><li>Schulterh\u00f6he: 50-60cm<\/li><li>Fellfarbe: das Fleckenmuster ist sowohl in der\nForm (Punkte, Halbkreise, Striche), im Kontrast (dunkle oder hellere Flecken)\nals auch in der Sichtbarkeit (sehr deutlich sichtbar bis fast nicht erkennbar)\nindividuell sehr unterschiedlich. Deswegen kann man die Luchse am Fellmuster\nunterscheiden.<\/li><li>Tragzeit: ~ 70 Tage<\/li><li>Ranzzeit: Ende Februar bis Anfang April<\/li><li>Alter: \u00e4lter als W\u00f6lfe, 15 Jahre kommen vor, ist\naber in freier Wildbahn selten.<\/li><li>Lebensraum: meistens in waldreichen Regionen,\naber auch halb offene Landschaften und Hochgebirgsregionen sind m\u00f6glich. <\/li><li>Spuren: Die Zehenballen stehen leicht\nunsymmetrisch zueinander (anders als bei Wolf, Fuchs). Die Krallen sieht man\nmeistens nicht, und wenn doch, sind sie sehr spitz zulaufend. Die hintere Pfote\nist etwas kleiner als vordere Pfote.<\/li><li>Luchsjahr: die Jungluchse verlassen die Mutter\nim Alter von etwa 10-11 Monaten.<\/li><li>Kommunikation: Markierung, K\u00f6rpersprache und\nMimik, Laut\u00e4u\u00dferungen insbesondere im Nahbereich aber durch den Luchsruf auch\n\u00fcber gr\u00f6\u00dfere Entfernung.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h4>Luchsrevier und Nahrung: <\/h4>\n\n\n\n<p>Das Revier eines Luchskaters ist\nzwischen 150 km\u00b2 bis \u00fcber 400 km\u00b2 gro\u00df. Das der Weibchen etwa 60 -\u00fcber 150 km\u00b2.\nWeil ein Luchs nicht das gesamte Beutetier auffrisst, kann man als\nRechengrundlage annehmen, dass ein Luchs in seinem Revier etwa 50-60 Rehe\/Jahr\nerbeuten wird. Bei der Anwesenheit von nur einem Luchskater w\u00e4ren es also etwa\n60 Rehe auf 300 km\u00b2. Bei einer durchschnittlichen und normalen Luchspopulation\nw\u00fcrden sich auf einer Fl\u00e4che von 300 km\u00b2 ein Luchskater und drei adulte\nweibliche Luchse aufhalten plus deren Jungtiere. In dem Fall k\u00f6nnte man damit\nrechnen, dass von den Luchsen etwa 240-400 Rehe\/Jahr gefressen werden w\u00fcrden. Es\ngibt verschiedene Faktoren, die in der Praxis zu anderen Zahlen f\u00fchren k\u00f6nnen. <\/p>\n\n\n\n<p>Um ein Gef\u00fchl daf\u00fcr zu bekommen,\nob die Entnahme der Rehe durch die Luchse viel oder wenig ist, ist es hilfreich\nnachzuschauen wie viele Rehe (oder andere potentielle Beutetiere) durch uns\nMenschen auf der gleichen Fl\u00e4che entnommen werden. Laut den Jagdstatistiken kann\nman von 4-6 Rehen\/km\u00b2 ausgehen, die j\u00e4hrlich im Durchschnitt geschossen werden.\n<\/p>\n\n\n\n<p>An der Stelle m\u00f6chte ich betonen,\ndass es sich bei diesen Berechnungen um eine stark vereinfachte Zahlenspielerei\nhandelt, die nicht zwangsl\u00e4ufig mit der Realit\u00e4t \u00fcbereinstimmen muss.\nAllerdings bekommt man ein besseres Gef\u00fchl sowohl f\u00fcr den Einfluss der gro\u00dfen\nBeutegreifer als auch f\u00fcr den Einfluss durch uns Menschen. <\/p>\n\n\n\n<h4>\u00f6kologische Rolle<\/h4>\n\n\n\n<p>Luchse haben eigene Reviere, die\nsie gegen gleichgeschlechtliche Artgenossen abgrenzen und auch verteidigen\nk\u00f6nnen. Eine normale Luchspopulation hat einen gewissen Einfluss auf die\nBeutetiere und damit auch auf die Vegetationsentwicklung. Damit haben sie auch\neinen gewissen Einfluss auf die Zusammensetzung und den Fitnesszustand ihrer Beutetiere.\nGenaue Untersuchungen, wie sich der Einfluss allerdings tats\u00e4chlich auswirkt,\nsind bisher nur unzureichend unternommen worden oder mir nicht bekannt. Auch\nwenn Luchse typische Pirsch- und \u00dcberraschungsj\u00e4ger sind, ist leicht zu\nverstehen, dass ein unaufmerksames Wildtier leichter zu erbeuten ist als ein\nwachsames Wildtier. Unaufmerksam sind Wildtiere insbesondere dann, wenn die\nSinnesleistungen unzureichend sind, beispielsweise wegen Krankheit oder Alter.\nEin Reh, das nicht blitzschnell beschleunigen kann, ist eine leichtere Beute.\nAllerdings kann man keinen gleichwertigen Selektionsdruck durch den Luchs\nnachweisen wie beim Wolf. <\/p>\n\n\n\n<p>Luchse lernen in ihren Revieren sehr schnell wann und wo sich ihre Beutetiere bevorzugt aufhalten. Zur Freude der Luchse und zum \u00c4rger der J\u00e4ger geh\u00f6ren dazu auch F\u00fctterungsstellen. Zur Freude der F\u00f6rster hingegen kennen die Luchse auch bald die Bereiche mit jungen nachwachsenden B\u00e4umen, in denen sich beispielsweise Rehe sehr gerne l\u00e4ngere Zeit aufhalten um die frischen Knospen, Bl\u00e4tter oder Nadeln abzufressen.  Da Luchse eine andere Jagdstrategie haben als W\u00f6lfe, ist der Einfluss der Luchse auf die Beutetiere anders zu beurteilen.  <\/p>\n\n\n\n<h4>Luchspopulation Europa, Deutschland, Ausbreitung <\/h4>\n\n\n\n<p><em>Karte 1: Verbreitung des eurasischen Luchs in Europa (ohne Russland) Die Gr\u00f6\u00dfe der Fl\u00e4chen mit dauerhaften Nachweisen ist kein direkter Indikator f\u00fcr die Anzahl der Luchse. Als Beispiel: in den Vogesen sind es derzeit 2-4 Luchse, in den Alpen der Schweiz und Frankreich sind es etwa 250Luchse. In den rum\u00e4nischen Karpaten geht man von 1200-1600 Luchsen aus. In ganz Deutschland sind es knapp \u00fcber 100 Luchse.<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" width=\"909\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/wordpress.human-wildlife.info\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Verbreitungskarte-Luchs-909x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1474\" srcset=\"http:\/\/wordpress.human-wildlife.info\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Verbreitungskarte-Luchs-909x1024.jpg 909w, http:\/\/wordpress.human-wildlife.info\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Verbreitungskarte-Luchs-266x300.jpg 266w, http:\/\/wordpress.human-wildlife.info\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Verbreitungskarte-Luchs-768x865.jpg 768w, http:\/\/wordpress.human-wildlife.info\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Verbreitungskarte-Luchs-133x150.jpg 133w, http:\/\/wordpress.human-wildlife.info\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Verbreitungskarte-Luchs.jpg 1881w\" sizes=\"(max-width: 909px) 100vw, 909px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Alle Luchspopulationen in Deutschland, in den Vogesen, in\nder Schweiz, in \u00d6sterreich, im B\u00f6hmerwald, in Slowenien sind auf\nAuswilderungsprojekte zur\u00fcckzuf\u00fchren. Ohne diese Projekte g\u00e4be es gar keine\nLuchse in Deutschland oder in den Alpen. Eventuelle w\u00fcrde man sehr seltene\nEinzeltiere (meistens Kater) aus den Karpaten oder aus dem Balkan nachweisen\nk\u00f6nnen.&nbsp;&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/wordpress.human-wildlife.info\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Luchs-2017-18-792x1024.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1475\" width=\"370\" height=\"478\" srcset=\"http:\/\/wordpress.human-wildlife.info\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Luchs-2017-18-792x1024.png 792w, http:\/\/wordpress.human-wildlife.info\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Luchs-2017-18-232x300.png 232w, http:\/\/wordpress.human-wildlife.info\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Luchs-2017-18-768x993.png 768w, http:\/\/wordpress.human-wildlife.info\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Luchs-2017-18-116x150.png 116w, http:\/\/wordpress.human-wildlife.info\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Luchs-2017-18.png 892w\" sizes=\"(max-width: 370px) 100vw, 370px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><em>Quelle: Bundesamt f\u00fcr\nNaturschutz (Hrsg.). 2018. Luchsverbreitung in Deutschland im Monitoringjahr\n2017\/2018 (1.5.2017 \u2013 30.4.2018)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Nachgewiesen wurden: <\/p>\n\n\n\n<p>selbst\u00e4ndige Luchse: 85<\/p>\n\n\n\n<p>reproduzierende Weibchen: 20<\/p>\n\n\n\n<p>Jungluchse: 43<\/p>\n\n\n\n<p>Bei einer Population von 1000 adulten Luchsen die spricht\nman von einem erhaltungsg\u00fcnstigen Zustand. &nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einleitung: So wie W\u00f6lfe und Braunb\u00e4ren wurden auch die Luchse in vielen Regionen von Europa bis hin zur gro\u00dffl\u00e4chigen Ausrottung verfolgt. B\u00e4ren und W\u00f6lfe kann man durchaus als Generalisten bezeichnen. Im Vergleich dazu ist der Luchs eher ein Spezialist. 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